8 Tipps zur Wirtschaftlichkeitserhöhung Ihrer Praxis

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Der Konkurrenzkampf zwischen Zahnärzten nimmt zu. Deswegen ist jeder Praxisinhaber gut beraten, stärker als bisher üblich unternehmerisch zu denken und zu handeln. Mit diesen einfachen Maßnahmen kann jeder Zahnarzt dafür sorgen, dass sich die Rentabilität seiner Praxis verbessert.

Tipp 1: Persönlich über höherwertige Leistungen informieren

Immer mehr Menschen ist es wichtig, dass ihre Zähne nicht nur gesund sind, sondern dass auch die Ästhetik stimmt. Viele GKV-Patienten möchten daher die Möglichkeiten der modernen Zahnmedizin in Anspruch nehmen – selbst wenn sie diese Leistungen (teils) selbst zahlen müssen. Zahnärzte sollten diesem Bedürfnis gerecht werden. So zeigt die Erfahrung, dass Patienten höherwertige Leistungen eher in Anspruch nehmen, wenn der Zahnarzt persönlich über moderne und ästhetische Behandlungsmöglichkeiten informiert.

Tipp 2: Machen Sie aus GKV-Versicherten Privatpatienten

Ganz klar: Privatpatienten sind wirtschaftlich betrachtet lukrativer als GKV-Versicherte. Um auch bei GKV-Patienten privatzahnärztliche Leistungen durchführen zu können, muss ein Zahnarzt zunächst das Kassenrecht verlassen. Stimmt der Patient nach einer umfassenden Beratung (Achtung: Gesprächsinhalte dokumentieren!) der privatzahnärztlichen Behandlung und den damit verbundenen Kosten zu, erfolgt eine schriftliche Vereinbarung gemäß §8 Abs.7 BMV-Z/§7 Abs.7 EKVZ. Diese Vereinbarung muss ausweisen, dass die geplante Behandlung nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung ist, weit über das Maß der ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung hinausgeht (§§12, 70 SGB V), nicht den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung entspricht und auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten durchgeführt wird. Unterschreibt der Patient die Vereinbarung, ist er wie ein Privatversicherter zu betrachten, es gilt die GOZ.

Tipp 3: Kalkulieren Sie Ihre Leistung auf Basis eines Stundensatzes

Ein Schlüsselfaktor dafür, dass eine Praxis wirtschaftlich vernünftig geführt wird, ist die Berechnung und Anwendung eines exakt kalkulierten Stundensatzes. Ein stark vereinfachtes Schema zeigt, wie die Berechnung des Stundensatzes erfolgt. Angenommen, die Praxiskosten liegen ohne Fremdlabor bei 170.000 EUR p.a. und der Praxisinhaber wünscht sich einen Jahresgewinn von 130.000 EUR. Dividiert er diesen Wert durch seine Jahresbehandlungsstunden, zum Beispiel 1.500 Stunden, ergibt sich daraus ein Soll-Umsatz je Behandlungsstunde in Höhe von 200 EUR. Liegt das tatsächlich erzielte Honorar je Stunde darunter, wird der Praxisinhaber seinen angestrebten Gewinn nicht erreichen können, solange die Kostenstruktur unverändert bleibt.

Tipp 4: Schließen Sie mehr Honorarvereinbarungen ab

Viele Zahnärzte versäumen es, das Potenzial von Honorarvereinbarungen nach GOZ §2 Abs.1, 2 und 3 optimal zu nutzen. Dazu muss der Zahnarzt seinem Patienten vor Beginn der Behandlung einen Heil- und Kostenplan erstellen, ihn aufklären und gegebenenfalls eine Honorarvereinbarung abschließen. Grundlage hierfür sollte der ermittelte Stundensatz der Praxis sein (vgl. Tipp 3). Auch beim Ansatz der Gebührenfaktoren sollte dieser Stundensatz immer berücksichtigt werden.

Tipp 5: Begründen Sie die Abrechnung höherer Faktoren

Zahnärzte sollten häufiger die Faktoren steigern. Allerdings müssen sie das sehr gut begründen, um Abrechnungsärger zu vermeiden. Wichtig zu wissen: Kostenträger dürfen Honorare nicht einfach kürzen. Dies ist nur zulässig, wenn ein einwandfreies zahnärztliches Gutachten dies rechtfertigt. Willkürliche Kürzungen sind unzulässig. Praxisinhaber sollten in diesem Fall sofort widersprechen. Eine fundierte Begründung, weshalb ein höherer Faktor angesetzt wurde, reicht oftmals aus.

Tipp 6: Rechnen Sie bei Bedarf analog ab

Viele neuere Verfahren und Therapien sowie bestimmte Leistungen sind in der GOZ 2012 nicht enthalten. Diese Leistungen können und sollten daher gemäß §6 Abs.1 GOZ analog, entsprechend einer nach Art-, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses, berechnet werden. Voraussetzung für die Analogberechnung ist lediglich, dass die erbrachte Leistung weder Bestandteil noch eine besondere Ausführung einer anderen, ebenfalls berechneten Leistung ist. Lehnt ein Erstatter die Kostenübernahme trotzdem ab, sollte der Praxisinhaber mit Verweis auf § 6 Abs. 1 GOZ sofort widersprechen.

Tipp 7: Bieten Sie Ihren Patienten Ratenzahlungen an

Patienten, die höherwertige Leistungen wünschen, sind durchaus bereit, diese selbst zu zahlen. Viele nehmen dazu gern Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch. Die Finanzierung und Überwachung des Zahlungseingangs kann über ein zahnärztliches Honorarzentrum erfolgen. Hier haben Patienten oft die Möglichkeit, Ratenzahlungspläne mit bis zu sechs kostenfreien Monatsraten abzuschließen. Aber auch Finanzierungspläne über einen längeren Zeitraum, oft bis zu 48 Monate, werden von Patienten gerne gewählt.

Tipp 8: Optimieren Sie Ihr Praxismanagement

Je besser die internen Abläufe, desto effizienter und effektiver die Praxis. Es zahlt sich also aus, wenn Abläufe systematisch hinterfragt, Standards überprüft und Behandlungen sorgfältig dokumentiert werden. Auf diese Weise lassen sich sukzessive die Praxisorganisation und der Patientenservice optimieren. In der Folge sinken die Praxiskosten, zugleich steigen die Behandlungsqualität – und die Wirtschaftlichkeit.

Judith Müller

GOZ-Beraterin für Büdingen Dent