Rechte und Pflichten bei implantologischen Behandlungen

  • |
  • GOZ-Abrechnungstipps

Umfassende Dokumentation mehr als Selbstzweck In der heutigen Zahnheilkunde bieten Implantate bei Zahnverlust eine moderne Lösung. Doch gerade solche schwierigen und kostenintensiven Behandlungen sind für den Zahnarzt besonders haftungsträchtig. Spätestens mit der Stärkung des Patientenrechts durch den Gesetzgeber im Jahr 2013 ist es für den Zahnarzt umso wichtiger, seine Pflichten in puncto Dokumentation – sowie seine Rechte bezüglich der entsprechenden Vergütung seiner Leistung – genau zu kennen.

Die Statistik belegt, dass eine wachsende Zahl von Patientinnen und Patienten die komfortable Lösung mit Implantaten vorzieht: In Deutschland setzen Zahnärztinnen und Zahnärzte mittlerweile mehr als eine Million Implantate pro Jahr, Tendenz steigend. Der Trend zu einer ästhetischen und wenn möglich festsitzenden Versorgung hält also an. Auch die Suprakonstruktion in Form von herausnehmbaren Prothese auf Implantaten findet immer mehr Anwendung. Denn für viele Patienten bedeutet dies ein erhöhtes Maß an Lebensqualität: Nicht nur die Nahrungsaufnahme und die Aussprache werden erleichtert, auch das Selbstbewusstsein steigt durch ein besseres Aussehen.

Pflicht: Umfassende Aufklärung

Bereits im Vorfeld einer Versorgung mit einem Implantat sollte der Patient in einem persönlichen Gespräch umfassend aufgeklärt werden – sowohl fachlich als auch wirtschaftlich. Dabei darf er nie zu einer Leistung überredet werden, die er eigentlich ablehnen würde. Deshalb sollten Zahnärzte stets darauf achten, über die Risiken einer Behandlung zu informieren und besonders auf die Leistungen hinzuweisen, welche nicht von den Versicherungen getragen werden. Sowohl Diagnose als auch Therapie müssen für den Patienten verständlich und nachvollziehbar sein – und zwar mindestens 48 Stunden vor Behandlungsbeginn. Hat der Patient die Patientenaufklärung unterschrieben, sind ihm außerdem Kopien der Unterlagen auszuhändigen. Das schon im Februar 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz (PRG) sichert jedem das Recht zu, seine Patientenakte auf Verlangen hin einsehen zu können. Sollte es zu einem Streitfall kommen, dient diese der Beweispflicht – daher ist die detaillierte Dokumentation auch für den Zahnarzt ungemein wichtig. Diese betrifft nicht nur den OP-Verlauf, sondern eben auch die Aufklärung. Im Zusammenhang mit der Implantologie sollte die Akte folgende Formulare enthalten:

  • Aufklärung über Therapiealternativen und Kosten
  • Vereinbarung einer Privatbehandlung nach §8 Abs. 7 BMV-Z
  • Abweichende Vereinbarung gem. §2 Abs. 1 und 2 GOZ
  • Verlangensleistung gem. § 2 Abs. 3 GOZ
  • Einverständniserklärung zur OP
  • Operationsprotokoll

Recht: Korrekte Vergütung laut GOZ

Um das Honorar für die komplette Versorgung mit einem Implantat exakt zu ermitteln, sollte der individuelle Stundensatz herangezogen werden. Nur so kann die Praxis auf Dauer wirtschaftlich und vor allem rentabel arbeiten. Folgendes Beispiel zur näheren Veranschaulichung: Die geschätzte Behandlungsdauer für die Freilegung des Implantats liegt bei ca. 30 Minuten. Bei einem Stundensatz von 280,00 € benötigt der Behandler ein Honorar von 140,00 €. Für die Infiltrationsanästhesie wird die GOZ 0090 mit dem 2,3-fachen Faktor angesetzt. Um auf das angestrebte Honorar von 140,00 € zu kommen, muss der Faktor der GOZ 9040 (Freilegung) angepasst werden. Hier ist eine Steigerung auf den 3,76-fachen Faktor nötig. Voraussetzung dafür ist jedoch eine bestehende Honorarvereinbarung.

Fazit

Patienten müssen stets vom behandelnden Zahnarzt umfassend über die konkrete Behandlung und mögliche Risiken aufgeklärt werden. Eine schriftliche Aufklärung reicht nicht aus – es muss ein persönliches Gespräch zwischen Arzt und Patient erfolgen. Der Zahnarzt hat die Pflicht, Aufklärung und Behandlung zu dokumentieren. Denn der Patient hat zu jedem Zeitpunkt das Recht auf Einsicht der vollständigen, ihn betreffenden Akte. Erfolgt die Dokumentation nicht umfassend und sorgfältig, kann in einem Prozess zu Lasten des Zahnarztes entschieden werden.

Judith Müller, GOZ-Beraterin für Büdingen Dent