Zahnästhetik: Chancen auf höhere Einnahmen nutzen

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Bei der Abrechnung kosmetischer und ästhetischer Leistungen sollten Zahnärzte auf wichtige Details achten. Wie sie zum Beispiel das Kassenrecht verlassen und welche Leistungen umsatzsteuerpflichtig sind, erklärt Judith Müller, Abrechnungsexpertin des zahnärztlichen Honorarzentrums Büdingen Dent.

Gesunde und schöne Zähne sorgen bei vielen Menschen für ein positiveres Selbstwertgefühl. Mehr denn je symbolisieren gesunde Zähne zudem Jugendlichkeit und Vitalität. Seit vielen Jahren steigt daher das Interesse nicht nur an Prophylaxe- und Zahnerhaltungsmaßnahmen, sondern viele Patienten wünschen sich auch ästhetische Behandlungsmethoden. Denn selbst wenn die Zähne gesund sind, heißt das nicht automatisch, dass sie so aussehen, wie es sich die Patienten wünschen. Eine Korrektur der Zahnstellung etwa steht oftmals ganz oben auf der Wunschliste von Patienten. Nicht immer ist eine kieferorthopädische Behandlung medizinisch notwendig, doch aus ästhetischen Gründen beauftragen die Patienten ihren Zahnarzt damit. Viele moderne Behandlungsmethoden bieten, je nach Indikation, unterschiedliche Lösungen und Ergebnisse. Ästhetik und Funktionalität sind hier durchaus kein Widerspruch.

Egal, ob die Schwerpunkte der Praxis in den Bereichen Prophylaxe, Zahnerhaltung, Ästhetische Zahnheilkunde, Implantologie, Zahnersatz, Kieferorthopädie etc. liegen, der Patient sollte vor der Behandlung in einem persönlichen Gespräch vom Behandler umfassend und ausführlich über die  verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und – risiken informiert werden. Aufzuklären ist über Anlass, Dringlichkeit, Umfang, Schwere typischer Risiken, Art, Folgen, mögliche Nebenwirkungen der geplanten Behandlung. Ferner sind die Folgen einer Nichtbehandlung darzustellen, ebenfalls die Behandlungsalternativen. Darüber hinaus muss der Patient erfahren, welche finanzielle Belastung auf ihn zukommt. Im Hinblick auf das 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz ist eine sorgfältige Dokumentation aller Patientengespräche unerlässlich.

Kassenrecht verlassen

Um auch bei gesetzlich versicherten Patienten privatzahnärztliche Leistungen durchführen zu können, muss ein Zahnarzt zunächst das Kassenrecht verlassen. Stimmt der Patient nach einer umfassenden Beratung der privatzahnärztlichen Behandlung und den damit verbundenen Kosten zu, erfolgt eine schriftliche Vereinbarung gemäß §4 Abs.5 BMV-Z/§7 Abs.7 EKVZ. Diese Vereinbarung muss ausweisen, dass die geplante Behandlung nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung ist, weit über das Maß der ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung hinausgeht (§§12, 70 SGB V), nicht den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung entspricht und auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten durchgeführt wird. Unterschreibt der Patient die Vereinbarung, ist er wie ein Privatversicherter zu betrachten, es gilt die GOZ.

Zahnärzte sollten bei der Kalkulation des Honorars auch die benötigte Zeit für Aufklärung und Information des Patienten berücksichtigen. Soll für die geplanten Leistungen ein Faktor berechnet werden, der über dem 3,5-fachen Satz der GOZ liegt, trifft der Zahnarzt mit dem Patienten im Vorfeld eine Honorarvereinbarung gemäß §2 Abs. 1 GOZ. Grundlage seiner Kalkulation bei der Berechnung sollte der jeweils angestrebte Stundensatz sein.

Umsatzsteuerpflicht prüfen

Werden zahnmedizinische Leistungen nur aus ästhetischen oder kosmetischen Gründen durchgeführt, handelt es sich also um Behandlungen, die medizinisch nicht notwendig sind, müssen diese vor Behandlungsbeginn gem. §2 Abs. 3 schriftlich in einem Heil- und Kostenplan vereinbart werden. Der Heil- und Kostenplan enthält die einzelnen Leistungen und Vergütungen sowie den Hinweis, dass es sich um Leistungen auf Verlangen handelt und eine Erstattung möglicherweise nicht gewährleistet ist.

Oftmals verschwimmen die Grenzen zwischen medizinischer Notwendigkeit und ästhetischer „Wunschleistung“. Gerade bei Leistungen wie dem Bleaching oder Veeners ist die sorgfältige Dokumentation der Indikation unerlässlich, um bei einer steuerlichen Betriebsprüfung keine böse Überraschung zu erleben. Achtung: Medizinisch nicht notwendige Leistungen sind umsatzsteuerpflichtig. Der Betriebsprüfer der Finanzbehörde kann unter Umständen nachträglich noch einen geschätzten Betrag für die Umsatzsteuer berechnen, wenn sich nicht belegen lässt, dass es sich um eine medizinisch notwendige Behandlung handelt. Notizen und Fotos in der Patientenkartei erleichtern hier die Argumentation und sparen im Zweifel bares Geld, wenn sich auf diese Weise die Steuerfreiheit nachweisen lässt. In jedem Fall empfiehlt es sich, den Rat eines fähigen Steuerberaters heranzuziehen.

Autorin: Judith Müller

Abrechnungsexpertin Büdingen Dent.